Relevante Steuern beim Umzug nach Italien

Sie möchten nach Italien auswandern und sich zuvor darüber informieren welche Steuern beim Umzug nach Italien auf Sie zukommen? In diesem Artikel finden Sie die wichtigsten Informationen zum italienischen Steuersystem und eine kurze Zusammenfassung der dabei wichtigsten italienischen Steuern.

Das italienische Steuersystem – Steuern als Bringschuld

In Italien hat der Steuerpflichtige seine Steuern selbst zu berechnen und fristgerecht abzuführen. Dies hat ohne Aufforderung des italienischen Finanzamts zu erfolgen.

Nicht erfolgte Zahlungen werden mit hohen Geldstrafen und Verzinsungen  bestraft. Es ist daher empfehlenswert die Berechnung der zu zahlenden Steuern von einem Steuerberater vornehmen oder zumindest prüfen zu lassen.

Wichtig: Die Inbesitznahme einer Immobilie in Italien muss bis zum 30. Juni des Folgejahres anhand einer „Gemeindesteuererklärung“ (Dichiarazione IUC) auf der Gemeinde gemeldet werden.

Die italienische Steuernummer – Die Voraussetzung für Ihren Umzug

Die italienische Steuernummer, der sogenannte „Codice Fiscale“ ist die Grundvoraussetzung  dafür, dass Steuern an das italienische Finanzamt abgeführt werden können. Er ist außerdem Grundlage für den Abschluss vieler wichtiger Verträge, wie zum Beispiel für den Abschluss eines  Mietvertrages.

Ausgestellt wird der Codice Fiscale in der Agenzia delle Entrate, dem Finanzamt, vor Ort.  Sofern man in Deutschland wohnhaft ist, kann der Codice Fiscale aber auch direkt bei der nächsten italienischen Auslandsvertretung beantragt werden.

Steuerliche Sonderbehandlung von Ausländern die nach Italien ziehen

Seit dem Jahr 2017 können folgende Personengruppen von einer steuerlichen Sonderregelung profitieren:

  1. Nicht-italienische Staatsangehörige, die bisher noch nie in Italien steuerlich ansässig waren
  2. Italienische und nicht-italienische Staatsangehörige, die seit mindestens neun der letzten zehn Jahre keinen steuerlichen Wohnsitz in Italien haben

Die Sonderbehandlung hat eine Gültigkeit von 15 Jahren und kann bereits vor dem Umzug bei den italienischen Steuerbehörden beantragt werden.

Steuern in Italien

Einkommensteuer (IRPEF – Imposta sul reddito delle persone fisiche)

Bei der IRPEF handelt es sich um die Steuer auf das Einkommen von Personen, welche entweder in Italien ansässig sind und/oder in Italien ein Einkommen erwirtschaften.

  • Personen, welche ihren Wohnsitz in Italien haben, müssen sämtliche Einkünfte der IRPEF unterwerfen.
  • Personen ohne Wohnsitz in Italien müssen lediglich das in Italien erwirtschaftete Einkommen versteuern.

Wichtig: Sollten Sie Ihren Erstwohnsitz dauerhaft nach Italien verlegen oder dort an mehr als 183 Tagen beruflich tätig sein, unterliegen Sie automatisch mit all Ihren weltweit erzielten Einkünften der Steuerpflicht in Italien.

Die IRPEF und die steuerliche Sonderregelung

Das ausländische Einkommen der Personen, die die steuerliche Sonderbehandlung beantragt haben, wird unabhängig von den tatsächlichen Einkünften außerhalb Italiens, auf 100.000 Euro pro Jahr festgesetzt. Zusätzlich zu diesen 100.000 Euro werden alle in Italien erwirtschafteten Erträge mit der italienischen Einkommensteuer belastet.

Die IRPEF und Ihr neues Zuhause

Die IRPEF muss sowohl für erzielte Mieteinkünfte, als auch für Eigennutzung einer Immobilie gezahlt werden. Zumindest dann, wenn es sich bei Ihrem neuen Zuhause in Italien um Ihren Zweitwohnsitz handelt und der hypothetische Gesamtbetrag der Mieteinkünfte 185 Euro überschreitet. Die IRPEF orientiert sich am Katasterertrag (rendita catastale), der im Katasterregister festgehalten ist.

Hier finden Sie einen Überblick über die aktuellen Einkommensteuersätze in Italien:

Zu versteuerndes EinkommenSteuersatz
bis 15.000 Euro23%
15.001 bis 28.000 Euro27%
28.001 bis 55.000 Euro38%
55.001 bis 75.000 Euro41%
über 75.000 Euro43%

Rechenbeispiel:
Bei einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von 22.500 Euro beträgt die zu zahlende italienische Einkommensteuer 6.075 Euro (22.500 Euro x 0,27).

Wann ist die italienische Einkommensteuer zu leisten?

Die Einkommensteuer wird in 3 Raten beglichen:

  • 16. Juni 1. Anzahlung
  • 30. November 2. Anzahlung
  • 16. Juni im Folgejahr Saldo

Mehrwertsteuer (IVA – Imposta sul valore aggiunto)

Die Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) in Italien beträgt derzeit 22%. Für bestimmte Dienstleistungen und Waren gelten ermäßigte Sätze von 4 %, 5 % und 10 %.

Immobilienkauf

Beim Kauf einer Immobilie zur privaten Nutzung fällt die Mehrwertsteuer nur dann an, wenn die Immobilie innerhalb von 5 Jahren nach Fertigstellung, direkt vom Bauträger erworben wird. Die Höhe der Mehrwertsteuer ergibt sich dann folgendermaßen:

Art der ImmobilieEinkommensteuersatz
Als Erstwohnsitz genutzte Immobilien4%
Nicht als Erstwohnsitz genutzte Immobilien10%
Nicht als Erstwohnsitz genutzte Luxusimmobilien22%

Hausbau

Beim Hausbau fallen in Italien 4% Mehrwertsteuer an.

Grunderwerbsteuer

Beim Kauf einer Immobilie hat der Steuerpflichtige eine einmalig anfallende Grunderwerbsteuer zu zahlen. Diese setzt sich aus den folgenden drei Komponenten zusammen:

  • der Registersteuer (imposta di registro)
  • der Überschreibungssteuer (imposta ipotecaria)
  • der Katastersteuer (imposta catastale)

Bemessungsgrundlage ist jeweils der im Kaufvertrag angegebene Kaufpreis.  Dennoch ist die Grunderwerbsteuer äußerst variabel, da sich deren Berechnung nach den folgenden Aspekten richtet:

  • Art der erworbenen Immobilie (Private oder gewerbliche Immobilie, etc.)
  • Art der künftigen Nutzung (Erstwohnsitz, Zweitwohnsitz, etc.)
  • Verkäufer (Privatperson, Firma, etc.)

Die Grunderwerbsteuer wird bei Abschluss des Kaufvertrages beim Notar fällig.

Wichtig: Beim Kauf von Neubauten direkt vom Bauunternehmen wird die Grunderwerbsteuer durch die Mehrwertsteuer ersetzt. Ist die Immobilie auf dem Grundbuchamt als Luxusimmobilie registriert, (Katasterkategorien A1, A8,  A9), wird die Mehrwertsteuer stets mit 22 % angesetzt.

Grundsteuer (IMU – Imposta Municipale)

Seit 2017 werden in Italien nur Immobilien, die als Zweitwohnsitz gemeldet sind mit der Grundsteuer belastet. Grundsätzlich beläuft sich der Steuersatz auf 7,6%. Dieser kann aber  je nach Gemeinde und Region um bis zu 3% variieren.

Gemeindesteuer (IUC – Imposta Unica Comunale)

Die jährlich zu entrichtende Gemeindesteuer setzt sich aus drei verschiedenen Komponenten zusammen:

  • der Grundsteuer (Imposta Municipale)
    Fälligkeit: 16. Juni und 16. Dezember
  • der Servicesteuer (Tassa Servizi Indivisbili)
    Fälligkeit: 16. Juni und 16. Dezember 
  • der Müllgebühr (Tassa sui Rifuiti)
    Fälligkeit: Zwei Raten im Abstand von 6 Monaten abhängig von der Gemeinde

Genauere Informationen erhalten Sie im lokalen Steueramt (Ufficio Tributi) Ihrer Gemeinde oder auf deren Website.

Luxussteuer (Tassa sugli immobili di lusso)

Wenn Sie nach Italien ziehen und dort eine Immobilie erwerben möchten, sollten Sie sich zuvor mit der Luxussteuer in Italien vertraut machen. In Italien werden Immobilien der Gebäudekategorien A1, A8 und A9 nämich als Luxusimmobilien deklariert und unterliegen einer gesonderten, teureren Besteuerung.

Ob die eigene Immobilie in die Kategorie der Luxusimmobilien fällt kann dem Katasterauszug der Immobilie entnommen werden.

Geldstrafen für nicht geleistete italienische Steuern

Werden Steuern nicht oder nicht vollständig gezahlt, muss mit den folgenden Geldstrafen und Verzinsungen gerechnet werden:

Art des VergehensDrohende Sanktion
Nicht- oder nicht vollständig bezahlte SteuernAufschlag von 30 %
Nicht gemeldete Inbesitznahme einer ImmobilieAufschlag von 100 bis 200 % (min. 50 Euro)
Falsche AngabenAufschlag von 50 bis 100 % (min. 50 Euro)
Fehlende Antwort auf den Fragebogen der GemeindeAufschlag von 100 bis 500 Euro

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Wir hoffen, dass wir alle Ihre Fragen beantworten und Sie bestmöglich auf Ihren Umzug nach Italien vorbereiten konnten. Sollten Sie noch Fragen haben, könnten Ihnen die folgenden Artikel weiterhelfen.