Expat Interview: Wenn der Traum zur Verpflichtung wird

29. Juni 2017, Pio Dolera

Pio Dolera ist aus Spanien in die Schweiz ausgewandert als er nach seinem Architektur Studium keinen anderen Ausweg sah, als das Land zu verlassen um einen Job zu finden. In dem Interview erzählt er uns, wie er heute in der Schweiz lebt, welche Unterschiede es zu Spanien gibt und woran er sich dann doch nie gewöhnen wird. Der perfekte erste Eindruck also, falls einen Umzug in die Schweiz geplant hast.

Umziehen in die Schweiz

  1. Warum hast du beschlossen in die Schweiz zu ziehen?

Schon von meiner Jugend an hat es mir sehr gefallen zu reisen und andere Kulturen kennenzulernen. Ich habe immer im Kopf gehabt mein Studium zu beenden und anschließend einige Jahre im Ausland zu arbeiten. Als ich mit der Uni fertig war, wurde der Traum zur Pflicht, da die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt in Spanien komplett zusammenbrachen. Die Chancen einen geeigneten Job zu finden, wurden für mich immer geringer. Daher war der Umzug, in meinem Fall, ein eigenartiger Mix aus meinem Traum und einer Verpflichtung.

  1. Muss man die Sprache lernen um in der Schweiz leben zu können?

Abhängig vom Beruf, den du ausübst, ist es selbstverständlich nötig, dass du die Sprache sprichst. So ist es auch in meinem Fall gewesen. Ich musste Deutsch lernen um meinen Job ausüben zu können. Trotzdem ist dies nicht für alle Auswanderer so, denn in der Schweiz sprechen sie sehr gut Englisch und am Anfang kommt man super damit zurecht. Aber ich denke, dass es sich immer leichter lebt, wenn man die Landessprache spricht.

  1. Welchen große Unterschiede gibt es zwischen der Schweiz und Spanien?

Alle, die du dir vorstellen kannst. In der Schweiz sind die Menschen wohlerzogen, verantwortlich und arbeiten für das Wohl aller um das Land zu verbessern. In Spanien hingegen sind die Menschen egoistischer und jeder schaut nach seinem eigenen Wohl ohne auf das Gesamtbild zu blicken. Die Atmosphäre ist strenger in der Schweiz als in Spanien. Fast alle Lebensmittel werden importiert, sodass keine große Varietät an kulinarischer Kultur vorhanden ist. Die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren hier sehr gut, während diese in Spanien eine absolute Katastrophe sind.

  1. Was vermisst du am meisten aus Spanien?

Ganz ohne Zweifel, die Sonne, das Essen und den fröhlich aufgeschlossenen Charakter der Menschen.

umziehen nach Zürich

  1. Was sollte man über die schweizerische Mentalität wissen?

Der Schweizer ist keine Person, die versucht sich an anderen aus Eigeninteresse zu bereichern oder anderen Menschen schaden will, ganz im Gegenteil zum Spanier. Die Schweizerische Kultur ist ausgesprochen verantwortlich gegenüber anderen und deren Umwelt. Alle wichtigen Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Bevor sie auf sich selbst schauen, nehmen sie Rücksicht auf ihre Mitmenschen.

  1. Hast du einen „Kulturschock“ erlebt, den du niemals vergessen wirst?

Ja, und sogar mehrere. Einmal wurde ich auf der Straße blöd angemacht, weil ich über eine rote Ampel gelaufen bin oder weil ich mit dem Fahrrad auf der Fußgängerzone gefahren bin. Diese Kleinigkeitsind in Spanien total egal. Ich finde es auch etwas seltsam, wie sich alle Nachbarn gegenseitig überwachen, dass auch jeder seine Steuern ja richtig bezahlt und keiner nur mit einem Trick davon kommt. Ach und an die schweizerische Angewohnheit tausend Mal „guten Appetit“ zu sagen, wenn wir essen gehen, muss ich mich noch immer gewöhnen…

  1. Tipps für die Wohnungssuche?

Wenn du in der Schweiz ankommst, solltest du erst einmal ein Zimmer mieten, welches du wohl oder übel teilen musst, denn es ist praktisch unmöglich direkt eine Mietwohnung zu finden. Erst mit der Zeit, wenn du die Aufenthaltsgenehmigung B und einen guten Arbeitsvertrag hast, mit welchem du nachweisen kannst, dass du das dreifache einer Monatsmiete verdienst, kannst du Chancen haben etwas geeignetes zu finden. Doch auch dann wird es weiterhin schwierig sein eine Wohnung zu finden, da die Nachfrage höher ist als es Angebote gibt.

  1. Was gefällt dir besonders an der Schweiz?

Mich bei der Arbeit geschätzt zu fühlen und ein angemessenes Gehalt entsprechend meiner Ausbildung zu erhalten, ohne ausgebeutet zu werden. Ich mag die Natur und neben dem Wald zu leben, mit dem Fahrrad durch die Berge zu fahren, die Erziehung der Schweizer und dass alles hier sehr sauber und organisiert ist. Ich fühle mich sehr wohl hier!

Wir danken Pio, dass er mit uns seine Geschichte geteilt hat und wünschen ihm nur das Beste und viel Erfolg für die Zukunft!

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